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Wenn bei Ihnen eine Parodontitis, oft fälschlicher Weise als „Parodontose“ bezeichnet, festgestellt wurde, sind Sie damit nicht allein. Jeder dritte Patient (bei über-50-Jährigen sogar jeder zweite) hat das gleiche Problem wie Sie.

Ursache:

Eine Parodontitis entsteht durch Ansammlung von Plaque (Zahnbeläge) und Zahnstein. Wenn diese an den Zahnhälsen und Zahnzwischenräumen nicht regelmäßig entfernt werden, vermehren sich darauf Bakterien und es kommt zunächst zu einer Entzündung des Zahnfleisches (Gingiva = Zahnfleisch, -itis = Entzündung, Gingivitis = Zahnfleischentzündung) mit Blutungen und Anschwellen des Zahnfleisches. Gesundes Zahnfleisch hat eine Taschentiefe (also der Spalt zwischen Zahn und Zahnfleisch) von 1-2 mm. Wandern die Bakterien tiefer in die Zahnfleischtaschen können sich diese dort ungestört vermehren und anfangen das Gewebe des Zahnhalteapparates abzubauen. Bei Taschentiefen ab 3,5mm spricht man von einer Parodontitis (Parodont = Zahnbett, Parodontitis = Zahnbetterkrankung). Dabei haben die Toxine der Bakterien bereits den Knochen angegriffen und bauen diesen ab. Langfristig kommt es auch zu „verlängerten Zahnhälsen“, da sich das Zahnfleisch ebenfalls mitabbaut. Wenn die Parodontitis weiter fortschreitet, können sich die Zähne lockern und schlimmstenfalls ausfallen.

Systemische Faktoren:

Eine Parodontitis ist eine chronische Entzündung des Körpers. Stellen Sie sich eine Wundfläche von 5cm x 5cm auf Ihrem Arm vor, die permanent offen ist und sich infiziert. Bei einer leichten chronischen Parodontitis entspräche diese Fläche der Wundfläche der Zahnfleischtaschen. Die Mundhöhlenbakterien bzw. parodontalen Keime und deren Toxine geraten so permanent in den Blutkreislauf und können sich im gesamten Organismus verteilen. Besonders wichtig ist dies für Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Parodontitis-Patienten haben z.B. ein 1,7-fach höheres Risiko für eine Verengung der Herzkranzgefäße, was eine Ursache für einen Herzinfarkt darstellt. Bei Schwangeren können die Keime Frühgeburten auslösen. Ebenso haben Menschen mit Osteoporose ein höheres Risiko eine Parodontitis zu entwickeln.
Am meisten ist der Zusammenhang mit Diabetes untersucht. Parodontitis und Diabetes können sich gegenseitig negativ beeinflussen. So haben Diabetiker ein sehr hohes Parodontitis-Risiko. Auf der anderen Seite kann man mit einer Parodontitis-Therapie den HbA1c-Wert des Diabetikers sehr positiv beeinflussen! Sollten Sie Diabetiker sein und Entzündungen oder Schwellungen an Ihrem Zahnfleisch feststellen, ist eine Vorstellung bei uns sinnvoll.
Wie in der allgemeinen Prophylaxe ist auch hier die Mitarbeit des Patienten am wichtigsten. Rauchen, Alkohol, Zuckerkonsum aber auch Stress sind Faktoren, die eine Parodontitis begünstigen.

Parodontitistherapie:

Der Erfolg der Parodontitisbehandlung hängt maßgeblich von der Motivation und Mitarbeit des Patienten ab.
In der Initial- oder Hygienephase werden dem Patienten Ursachen, Risiken und Folgen einer Parodontitis erklärt. Dabei werden Sie von unserem Prophylaxeteam auf die richtige häusliche Zahnpflege geschult und erfahren welche Reinigungsinstrumente Ihnen individuell dabei am besten helfen. Während der Vorbehandlung werden bereits weiche und harte Beläge an den Zahnhälsen und Zahnzwischenräumen im Zuge einer oder mehrerer Professioneller Zahnreinigungen entfernt.
Ziel der Hygienephase ist es die Bakterienmenge der Mundhöhle und an den Zähnen zu reduzieren und den akuten Entzündungsgrad des Zahnfleisches zu minimieren.

Während der Hauptbehandlung werden unter lokaler Betäubung die Zahnfleischtaschen in der Tiefe gereinigt und die Wurzeloberflächen von harten Ablagerungen befreit und geglättet. Dabei kommen in einem nicht-chirurgischen Verfahren spezielle Kürretten, Ultraschall- und Pulverstrahlgeräte (Airflow) zum Einsatz. Therapieergänzend kann die Anwendung eines Lasers notwendig werden. Die photodynamische Therapie (Lasertherapie) trägt entscheidend zur Heilung des Zahnfleisches bei. Die Mikrozirkulation des Blutes und die Mitochondrien (Kraftwerke der Zellen) werden durch den Laser angeregt, wodurch eine schonende Gewebeheilung generiert wird. Beim Vorhandensein anaerober Keime, kann der Einsatz von Antibiotika (lokal oder systemisch) ergänzend zur Parodontitistherapie erforderlich sein. Die Anwendung von Mundspüllösungen unterstützt ebenfalls die Hauptbehandlung.

Ziel der minimalinvasiven Parodontitistherapie ist es den fortschreitenden Knochenabbau aufzuhalten und die akute Entzündung zu beseitigen. Dabei sollten die Taschentiefen reduziert werden und das Gewebe des Zahnhalteapparates heilen und somit den Zahn wieder fester in seinem Zahnfach fassen. Bei Taschen zwischen 3,5mm – 7mm ist diese schonende Methode Therapie der Wahl.

Sind die Zahnfleischtaschen tiefer als 7mm bzw. kommt es nach der nicht-chirurgische Parodontitis-Behandlung zu keiner Besserung, ist ein operativer Eingriff angezeigt. Dabei wird das Zahnfleisch vom Zahnhals getrennt und während der OP bei Seite geklappt, so dass die Zahnwurzeln „unter Sicht“ gereinigt und geglättet werden können (siehe Parodontalchirurgie)

Um langfristig die parodontale Situation stabil zu halten ist eine engmaschige Nachsorge bei Parodontitispatienten essentiell! Da es sich um eine chronische Erkrankung handelt, kann die Parodontitis je nach äußeren oder inneren Faktoren wie Abwehrlage, Stress, Hygienezustand, etc. wieder aufflammen.
Nachsorge entspricht Vorsorge! Parodontitispatienten werden in unserem Recallsystem aufgenommen und erhalten alle 4 Monate, später alle 6 Monate, einen Termin zur Professionellen Zahnreinigung mit Reevaluation Ihrer Zahnfleischsituation und Kontrolle eines stabilen Knochenniveaus.